Rudelhaltung

 Bericht über einen von http://animal-learn.de veranstalteten Vortrag

Vortragende war Inga Böhm, die einige Jahre eine Hundeschule im Ruhrgebiet hatte und dann dem Ruf von Animal-Learn nach Bayern folgte.

 
Vieles (wenn auch nicht alles) im Verhalten unserer Hunde lässt sich auf den Urahn, den Wolf zurückführen, so auch das Rudel- und Jagdverhalten unserer Haushunde.

Jegliches Futterverhalten (auch verbuddeln, verteidigen, Essen klauen) hat seinen Ursprung im Jagdverhalten.

In einem Rudel ist Kommunikation überaus wichtig, man könnte sogar sagen:
das Wichtigste überhaupt, denn intensive Kommunikation ist notwendig, um das Rudelleben so friedlich wie möglich zu gestalten.
Hunde sind geborene Konfliktlöser, denn Agression bedeutet immer Energieverschwendung

Wir sollten uns auch immer wieder klarmachen, dass in einem Rudel eine Stimmungsübertragung abläuft, es entwickelt sich also in bestimmten Situationen auch eine sogenannte Gruppendynamik.
Gemeinsame Taten fördern immer auch den Rudelzusammenhalt.
Rudelhaltung kann das alleinsein vereinfachen


Beispiele:
einer unserer Hund sieht etwas und bellt, die anderen stimmen unverzüglich in das Gebell ein, ohne zu wissen, um was es geht

ein Hund sieht einen Hasen, Vogel oder ähnliches und sprintet los, die anderen haben unter Umständen keine Ahnung, warum dieser losrennt, aber sie sprinten sofort mit.

Warum sollten Hunde möglichst im Rudel gehalten werden und was ist bei der Anschaffung, Haltung besonders zu beachten ?

Auch hier sollten wir wieder an den Urahn Wolf denken, der hauptsächlich im Rudelverband lebt. Bei aller Mühe kann ein Mensch dem Hund niemals einen Artgenossen ersetzen.

Um sich darüber klar zu werden, was es bedeutet, gab Frau Böhm folgendes (wie wir finden, gelungene) Beispiel:

Stellt euch vor, auf dem entfernten Planeten „DOG“ leben und regieren nur Hunde. Diese halten sich als Begleiter Haustiere, den Menschen.
Der Mensch versteht die Sprache der Hunde nicht oder nur ungenügend, er wird 2-3 x täglich angeleint ausgeführt, hat – wenn er Pech hat – nur selten Kontakt zu Artgenossen, also anderen Menschen, die seine Sprache sprechen, riechen wie er usw.
Welch eine Wonne, wenn er dann doch einen Menschen trifft und Kontakt aufnehmen darf, welch eine Freude, wenn er im Hundehaushalt mit einem weiteren Menschen leben darf.

Die Anschaffung eines zweiten, dritten usw. Hundes sollte aber immer wohl überlegt sein.
Nach Klärung der finanziellen Aspekte (doppelte Steuer, Versicherung, evtl. Hundeschule, Ta-Kosten), muss u. a. folgendes beachtet werden, um eine harmonische Rudelkonstellation zu gewährleisten:

Zu einem jagdfreudigen Hund sollte kein zweiter jagdfreudiger Hund
Kein ängstlicher Hund zu einem ängstlichen
(s. Gruppendynamik)
ein grosser Windhund passt nicht unbedingt zu einem Pekingesen
insbesondere bei allen Terrier-Arten ist bekannt, dass sie sich gegenseitig hochpuschen, hier ist insbesondere von gleichgeschlechtlicher Haltung abzuraten
Zu bedenken ist auch, dass gerade Weibchen während (bei Lorenas u. meinen Hunden mehr nach der Läufigkeit) eine erhöhte Reizbarkeit vorliegt.

Weiters stellt sich die Frage, ob zu einem erwachsenen Hund ein Welpe oder erwachsener Hund einziehen soll.

Bei all diesen Fragen ist eine genaue Beobachtung des eigenen Hundes notwendig, pauschale Aussagen gibt es hier nicht.

Ein absolutes Vorurteil bzw. Egoismus ist die Angst/Aussage des Menschen, dass der Hund (bekommt dieser einen Partner) dann nicht mehr die innige Beziehung zu „seinem Menschen“ aufrecht erhält.

Der bereits im Haushalt lebende Hund sollte an der Auswahl des neuen Familienmitgliedes immer beteiligt sein. So kann man mit seinem Hund mehrmals den Züchter besuchen, bei Tierheimen gemeinsame Spaziergänge unternehmen usw.

Mit unserer persönlichen Ansicht – 2 Welpen gemeinsam aufnehmen und erziehen sollen nur sehr erfahrene Hundhalter – stimmte Frau Böhm genau überein.

Spaziergänge mit mehr als einem Hund
Dies erfordert natürlich eine gewisse Übung, denn weder Hund noch Mensch sind perfekt.
Der Rudelführer muss hier sein Auge üben (wie im Strassenverkehr), alles vor dem Hund sehen, die Augen auf jeden Hund haben und immer vorausschauend spazieren gehen.
Sehr hilfreich sind hier die sog. Calming Signals
Die Hunde sollten möglichst nicht an der Koppelleine geführt werden, diese kann Auslöser von Agressionen sein, da hier u. U. die Individualdistanz unterschritten wird.

Der neue Hund zieht ein (gilt auch für Pflegehunde, Besuchhunde)

Erst einmal gemeinsam spazieren gehen auf neutralem Gebiet, kein Spielzeug, Leckerli verwenden

Neuen/Fremden Hund dann zuerst hereinlassen (verhindert, dass eigener Hund sich sperrt)
Vorher allen „Sprengstoff“ (Leckerli, Knochen, Futter, Spielzeug) entfernen.

Jeder sollte sein eigenes Körbchen/Kuschelplatz haben, den Ersthund bevorzugen, z.B. dieser darf auf die Couch, der Neuling/Besuchshund nicht.

Bei Einzelhund unbedingt Freunde suchen, die tägliche Kommunikation wie gemeinsame Spaziergänge, spielen usw. haben

Eva  Kroll/Lorena Galanti

Eine Diskussion zu diesem Thema findet ihr hier:

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